WIE NAHTE MIR DER SCHLUMMER (doc)

Schauspiel-Akademie Zürich ZHdK
Mirjam Neidhart 1991, CH/ 15' (High 8)

Vorgeschichte

1986: Im Wartesaal einer Arztpraxis fasst mir eine 86jährige Dame ans Bein und fragt mich: „Was isch das für e Stoff? Ah, das isch gstrickt? Hän sie das sälber gstrickt?“ Ich bejahe und frage meinerseits: “ Sit wenn sehn sie nümme guet?“ Erst seit kurzem, antwortet sie, und wie sehr sie dies schmerze! Sie hätte vor Jahren ein Gesamtwerk von C.G. Jung gekauft, um es nach der Pensionierung zu lesen. Mit der Pensionierung hätte sie zu lange gewartet. Mit der Sehbehinderung könne sie weder arbeiten noch lesen. „C.G. Jung?“ frage ich, „Dä will ich auch scho lang läse, söll ich ihne emol kho vorläse?“ Sofort diktiert sie mir Adresse und Telefonnummer. Damit beginnt eine Freundschaft und dieses Filmprojekt.

Inhalt

«Wie nahte mir der Schlummer» ist eine Arie aus Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz. Elsa Keller (1900) hat diese als junge Frau auf der Bühne des Stadt-Casino Basel vorgetragen. Sängerin ist sie nicht geworden. Als alleinerziehender Mutter in den Zwanzigerjahren in Basel hat sie bis ins hohe Alter und dem Verlust ihrer Sehkraft in einem Treuhandbüro gearbeitet. Ihr Interesse an C.G. Jung kam daher: «Mini Mueter isch em C.G. Jung sini erschti Liebi gsi.» Es ist nicht die einzige Überraschung, die sich beim Vorlesen zeigt. Das Vorlesen von C.G. Jungs Werk wird für Elsa zum Anlass, aus ihrem Leben zu erzählen und ihre Gedanken zum bevorstehenden Sterben zu teilen. «Wie nahte mir der Schlummer» ist ein zärtliches Gespräch über das Leben und den Tod zwischen zwei Frauen, von welchen die eine am Anfang und die andere am Ende ihres (Erwachsenen-) Lebens steht. 

Besetzung

mit: Elsa Keller, Mirjam Neidhart
Buch, Regie, Kamera: Mirjam Neidhart
Schnitt: Mirjam Neidhart, Claudio Schenardi
Mentor: Robert Weiss Schauspiel-Akademie Zürich (ZHdK)